Historie und Chronik des Industrie- und Kulturvereins Nürnberg e.V.
Im Jahre 1819 gegründet.
eDer Verein wurde im Jahre 1819 gegründet. Damals waren erst vier Jahre seit dem Wiener Kongress vergangen, der nachden Napoleonischen Kriegen Europa neu geordnet hatte. Es war eine Zeit des Neubeginns, Aufbauarbeit war auf allen Gebieten zu leisten. Landwirtschaft und Gewerbe lagen darnieder, für arme
Menschen gab es keine staatlichen oder kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen, vielfach herrschte bittere Not. In dieser Situation wurden in mehreren Orten des neuentstandenen Königreiches Bayern, zu dem ja jetzt auch die einst freie Reichsstadt Nürnberg gehörte, Vereine gegründet, deren Ziel es war, Landwirtschaft und Gewerbe zu fördern und armen, notleidenden Menschen zu helfen.
In Nürnberg verwirklichte diese Idee der Regimentsveterinär des hier stationierten 6. Bayerischen Cheveauleger-Regiments Johann Jakob Weidenkeller. Er stammte aus dem Allgäu, heiratete eine Nürnbergerin, besaß ein landwirtschaftliches Anwesen im damaligen Nürnberger Vorort Glockenhof, war also mit den Problemen der Landwirtschaft in der damaligen Zeit vertraut. Dieser J.J. Weidenkeller, der wenig später von der Universität Erlangen promoviert wurde und 1832 aus dem Militärdienst ausschied, war der Gründer des Vereins und dessen 1.Vorsitzender vom August 1819 bis zu seinem Tode im Jahr 1851. Er hat die erste Epoche des Vereins ganz entscheidend geprägt. Sein Ideenreichtum war schier unerschöpflich, sein Arbeitswille kaum zu bremsen, sein Ehrgeiz sehr groß. Im Sommer 1819 entwarf er eine Satzung für einen zu gründenden Industrie- und Kulturverein in Nürnberg und seinem Umland, ließ diese 14 mit seinen Ansichten und Plänen sympathisierenden Bürgern aus Nürnberg und Umgebung zukommen und erhielt deren Einverständnis zur Gründung des Vereins. Weidenkeller und diese 14 Bürger sind also die Stifter des Vereins.
50 Mitglieder gleich zu Beginn.
Am 30.08.1819 wurde von diesem Gremium die Vorstandschaft des Vereins gewählt. 1. Vorsitzender wurde – wie nicht anders zu erwarten – Weidenkeller. Eine Woche später wurde die erste Vereinsversammlung abgehalten, an der bereits 50 Mitglieder teilnahmen. Ein Vereinsheim gab es zunächst noch nicht, die Versammlungen und Sitzungen mussten in verschiedenen Gasthäusern Nürnbergs abgehalten werden. Aber bereits 1826 begannen die Verhandlungen über den Ankauf eines Anwesens zwischen Spittler- und Frauentorgraben.
Die Zahl der Vereinsmitglieder schwankte je nach den Zeitverhältnissen ziemlich stark. Noch im Gründungsjahr stieg sie auf 119, ein Jahr später sogar auf 369. Auch Ehrenmitglieder wurden schon in den Anfangsjahren ernannt, zumeist waren es hohe Behördenvertreter. Ein Name verdient aber besondere Beachtung: Johann Wolfgang von Goethe, der bedeutendste deutsche Dichter, nahm 1827 die ihm angetragene Ehrenmitgliedschaft an, wahrlich eine große Auszeichnung für den noch so jungen Verein.
Weidenkeller entfaltete als Vorsitzender sehr viel Phantasie und noch mehr Energie für die Verwirklichung der von ihm als wesentlich angesehenen Aufgaben und Ziele des Vereins. Meist geschah dies in der Form, dass für einzelne Aufgaben sogenannte Zweiganstalten des Vereins geschaffen wurden, die sich mit einer einzelnen Aufgabe beschäftigten. In der Frühzeit des Vereins entstand – fast immer auf Anregung Weidenkellers – eine Vielzahl solcher Anstalten, von der Ausleihanstalt (Zweck: Vergabe von Darlehen zu niedrigen Zinsen an in Not geratene Bauern) bis hin zur Anstalt für die Förderung der Vaterländischen Pferdezucht. Aus einer solchen Zweiganstalt, der „Arme-Knaben-Erziehungsanstalt“, hat sich eine Landwirtschaftsschule entwickelt, an der Weidenkeller als Lehrer tätig war. Sie wurde
schließlich vom Lande Bayern übernommen.
Eine der vielen Zweiganstalten zu Weidenkellers Zeit als Vereinsvorstand war der Frauenverein, später, nach der bayerischen Königin Therese, Theresien-Frauen-Verein benannt. Dieser Verein war
aber keineswegs Vorkämpfer einer frühen Emanzipation des weiblichen Geschlechts. Seine Mitglieder kümmerten sich vielmehr um bedürftige Wöchnerinnen, für die sie beispielsweise Babywäsche und Windeln anfertigten. Eine einzige Institution zur Förderung kultureller Bestrebungen gab es aber doch bereits zu Weidenkellers Zeit:
die sogenannte Literaturanstalt. Sie gab auch eine Zeitung heraus, die zuerst Bayerische Landeszeitung hieß, später den Titel „Intelligenzblatt des Industrie- und Kulturvereins“ erhielt. Bei der Gründung all dieser Zweiganstalten sind die Absichten und Ziele Weidenkellers klar erkennbar. Sie lagen – trotz des Vereinsnamens – mehr im wirtschaftlichen und sozialen als im kulturellen Bereich. Und noch etwas fällt am Vereinsleben in der Zeit Weidenkellers auf: Das gesellige Leben im Verein spielte in dieser Phase nur eine untergeordnete Rolle.
Nach Weidenkellers Tod änderten sich die Zielsetzungen des Vereins allmählich. Die meisten der auf seine Initiative hin gegründeten Zweiganstalten lösten sich nach und nach auf, und nur wenige wurden neu gegründet. Eine dieser Neugründungen war 1861 die Gesangsgesellschaft. Im Laufe der Zeit wuchs sie zu beachtlicher Größe heran, wurde aber lange Zeit als Gruppe ohne künstlerische Ambitionen, bestimmt für die Bereicherung von Geselligkeit und Vergnügen, angesehen. Erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wandelte sich dieses Bild, die Gesangsgesellschaft wurde zu einer Institution von Bedeutung im Nürnberger Kulturleben und ist dies – wenn auch in anderer Form und unter anderem Namen – bis heute geblieben. Wenn auch die Zeit der Zweiganstalten des IKV in der zweiten Hälfte des neunzehnten und im zwanzigsten Jahrhundert stark abnahm, einige neue Institutionen wurden auch in dieser Zeit gegründet. Eine der wichtigsten war in den 20er Jahren die sogenannte
Feierabendgesellschaft. Die wurde unter der Vereinsführung von Geheimrat Dr. Stauder zusammen mit den Nürnberger Schriftstellern Olga Pöhlmann und Dr. Heinz Schauwecker gegründet. Ihr Ziel war die Förderung und Vermittlung aller Künste – der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik. Für die Belange der bildenden Künste wurde der Ausbau der Feste Plassenburg bei Kulmbach geplant, in der Maler und Plastiker Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer künstlerischen Ideen finden sollten. Eine andere bemerkenswerte Institution, die auch zu dieser Zeit entstand und an Weidenkellers Absichten erinnerte, war die Einrichtung einer Studentenhilfe, die bedürftigen und begabten Studenten technischer Fächer Beihilfen und Darlehen gewährte.
Blütezeit in den 20er Jahren.
Insgesamt waren die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts eine Blütezeit des IKV, dessen große Feste im Vereinshaus am Frauentorgraben einen geradezu legendären Ruf hatten. Befreundete Vereine mit ähnlichen Zielsetzungen waren Gast des IKV, der andererseits bei manchem dieser Vereine wieder Gast war. Die Liste dieser Vereinsbesuche reicht vom Wiener Schubertbund bis zum plattdeutschen Volksverein in New York und Umgebung.
Den Höhepunkt dieser Epoche des Vereinslebens bildete aber das Dürerjahr 1928, in dem der IKV im Auftrag der Stadt Nürnberg eine österreichische Woche veranstaltete. Die Thematik war auf das Nürnberger Dürerjahr ausgerichtet, brachte neben gesellschaftlichen Veranstaltungen Vorträge über „Wien und Dürer“, „Tirol und Dürer“ und natürlich auch den Besuch der großen Ausstellung Dürerscher Originale im Germanischen Nationalmuseum. Dieser Höhepunkt war aber auch eine Art Abschluss einer Epoche, denn bald darauf begann die Zeit des Nationalsozialismus mit der abschließenden Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, in der das Vereinsleben langsam abstirbt.
Der Krieg blieb nicht ohne Folgen.
Und dann kam für den Verein die größte Katastrophe: Sein großes Vereinshaus am Frauentorgraben, das 1905 eingeweiht worden und das jedem Nürnberger als „der Kulturverein“ ein Begriff war, wurde im Verlauf des Luftkrieges schwer zerbombt, die gesamte Außenfassade blieb jedoch erhalten. Folglich wurde 1956 ein Neubau zwischen dem zerstörten Festsaal-Hauptgebäude und dem Ringkaufhaus eröffnet. In einer Zeitungsnotiz als „Nürnbergs repräsentativste Kulturruine“ bezeichnet, bleib der Torso noch jahrelang stehen. Erst im September 1966 wurde in einer Mitgliederversammlung einstimmig das Ergebnis von Verhandlungen mit der Stadt Nürnberg gebilligt, für das Grundstück und die noch halbwegs nutzbaren Gebäudeteile am Frauentorgraben im Gegentausch das Stadtparkrestaurant und ein dazugehörendes Bodenareal zu erwerben.Das neue Vereinshaus wurde dann in mehreren Bauabschnitten den Erfordernissen des Vereinslebens gemäß gestaltet. Die Arbeiten begannen im September 1968, im Herbst 1970 waren sie abgeschlossen. Einweihung des neuen Hauses war am 24. Oktober 1970. Der IKV war damit nicht mehr heimatlos. Er hatte ein neues, schönes Heim, noch dazu inmitten eines herrlichen Parks, in dem Gesellschaftsräume mit einem Fassungsvermögen von bis zu etwa 750 Personen zur Verfügung stehen.
Was ist das Wesentliche am Verein in der jüngsten Periode seines Bestehens? Nicht die Weidenkellerschen Maximen und auch nicht das rein gesellschaftliche Leben sind heute Ziele des Vereins, sondern eine bunte Mischung aus Unterhaltung und Vergnügen, aus Kulturgenuss und Kulturförderung, Vertiefung von Wissen und Bildung auf vielen Gebieten (Vorträge, Besichtigungen etc.), Kennenlernen der Heimat und fremder Länder und Anregung der Mitglieder zu gemeinschaftlichen Aktionen.
Ein Blick in die Vereinszeitung „Stadtpark Journal“ zeigt die Fülle des Angebots des Vereins an seine Mitglieder.
Über 200 Jahre IKV Nürnberg. In der Vereinschronik wird die Geschichte des Vereins kurzweilig und leicht verständlich nacherzählt.
Die 474 Seiten starke Vereinschronik gibt es gegen einen kleinen Unkostenbeitrag in der Geschäftsstelle des IKV am Stadtpark in Nürnberg. Mehr darüber erfahren Sie im anhängenden Artikel.

Die Chronik ist da.
Vereinschronik zeichnet die vergangenen 90 Jahre des IKV kurzweilig und leicht verständlich nach.
